Warum ein gesetzlich verankerter Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen?

Es gibt viele gute Gründe für KMUs, die Eidg. Volksinitiative für 20 Tage Vaterschaftsurlaub  zu unterstützen. Finden Sie hier die wichtigsten Gründe im Überblick – gestützt auf Erfahrungen, die KMUs mit einem Vaterschaftsurlaub gemacht haben.

Heute tragen Sie das „Risiko“ ganz allein, dass ein Mitarbeiter Vater wird und Vaterschaftsurlaub verlangt. Nach Annahme der Volksinitiative gäbe es – wie bei den Müttern auch – eine „Vaterschaftsversicherung“: Alle zahlen laufend einen winzigen Beitrag (0.006 Lohnprozente) ein und erhalten dafür im Ernstfall den „Schaden“ vergütet.

Ein Vaterschaftsurlaub ist eine Investition mit Zukunft, ganz besonders ein substanzieller Beitrag, um Frauen vermehrt in den Arbeitsmarkt zu bringen, also ein Schlüssel zur Behebung des Fachkräftemangels.

Die international aufgestellten Multis gewähren ihren männlichen Mitarbeitern schon längst Vaterschaftsurlaub. Auf eigene Rechnung. Weil sie wissen: Das zahlt sich aus im Kampf um die besten Arbeitskräfte. Für KMU’s ist das schwieriger. Die Volksinitiative schafft hier gleich lange Spiesse.

20 Tage, die einzeln oder am Stück bezogen werden können, aber nur – wie bei jedem Urlaub – mit dem Einverständnis des Arbeitgebers: Das ist zu managen. Nicht problemlos. Aber auch nicht schwieriger als ein WK oder Ferienabwesenheiten.

Internationale Erfahrungen zeigen: Der Vaterschaftsurlaub ist die Schlüsselmassnahme, um die Geburtenrate zu heben. Denn er gibt Müttern die Sicherheit, dass auch ihre Männer bei der Kinderbetreuung anpacken. Fehlt das, bekommen jene Frauen weniger Kinder, die ihren Beruf nicht an den Nagel hängen wollen. Also die Bestqualifizierten.

Die Schweiz ist neben Albanien und Irland das einzige Land Europas, das keinen Vaterschaftsurlaub kennt. Die Schweiz stärkt so unnötig das Klischee der zurück gebliebenen Berglernation. So richtig lächerlich machen wir uns mit dem Argument, dass sich ausgerechnet die Schweiz nicht leisten könne, was ganz Europa –  gerade auch die Länder mit bürgerlichen Mehrheiten – als Investition mit attraktiver Rendite betrachtet.

Heute leisten sich vor allem jene Unternehmen einen Vaterschaftsurlaub, die im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte und Talente bestehen müssen. Sie sehen sich den Erwartungen potenzieller Mitarbeiter gegenüber, einen vergleichbaren Standard an familienfreundlichen Rahmenbedingungen zu bieten wie Unternehmen in anderen Ländern.

Für KMU bedeutet dies jedoch: Entweder ziehen sie mit und bieten auf eigene Rechnung einen Vaterschaftsurlaub an – oder sie ziehen in Sachen Arbeitgeber-Attraktivität den Kürzeren. In dieser Situation stellt sich die Frage, ob die dritte Lösung unter dem Strich nicht doch die Beste ist: Ein gesetzlich verankerter Vaterschaftsurlaub gemäss dem Modell der Volksinitiative führt zu einer Versicherungslösung, bei der alle eine gleich hohe und gleich bleibende „Prämie“ (Lohnpromille) bezahlen – und dafür kein Risiko mehr tragen müssen.

Der Vorschlag der Initianten bedeutet für KMUs also:

  • gleich lange Spiesse im Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte
  • kein Risiko
  • geringe Prämie (verteilt auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer)

Kein schlechter Deal, oder?

Um was geht’s?…und andere FAQs

Wir haben die wichtigsten Fragen rund um die Vaterschaftsurlaubsinitiative gesammelt und geben kurz und prägnant Antwort – aus wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Sicht.

Die Volksinitiative fordert, dass alle Väter in der Schweiz im Jahr nach der Geburt eines Kindes 20 Tage bezahlte Familienzeit einzeln oder am Stück einziehen kann – natürlich in Absprache mit dem Arbeitgeber. Die Vergütung ist gleich hoch wie bei der Mutterschaftsversicherung (80% des Lohns mit Obergrenze). Alle weiteren Umsetzungsfragen überlässt die Volksinitiative dem Gesetzgeber. Entsprechend wird das Parlament nach erfolgter Annahme der Initiative die Mittel haben, eine arbeitgeber-freundliche Umsetzung zu gewährleisten.

Die Schweiz ist neben Irland und Albanien das einzige Land Europas, in dem Väter am Tag nach der Geburt im Betrieb zurück erwartet werden. Viele Arbeitgeber unterstützen sie freiwillig mit einem oder mehreren freien Tagen. Ein geschützter Anspruch besteht aber nicht einmal, um bei der Geburt des eigenen Kindes dabei zu sein.

Die Schweiz ist also international ein Exot. Warum? Einerseits spielt die traditionelle Zurückhaltung bei staatlichen Massnahmen in der Familie eine Rolle. Andererseits hat der Schweizer Arbeitsmarkt lange Zeit davon profitieren können, dass sie als Einwanderungsland international von hoher Attraktivität ist – und sich entsprechend weniger um Fachkräfte bemühen musste. Das hat sich mit Annahme der Masseneinwanderungsinitiative verändert.

Anders als man vermuten würde, wurde der Vaterschaftsurlaub in den meisten europäischen Ländern von bürgerlichen Regierungen im Dienst der Wirtschaft eingeführt. Das zentrale Argument: Wenn wir das Fachkräftepotenzial der gut ausgebildeten Frauen ausschöpfen möchten, dann müssen wir ihnen in Betreuungsfragen kompetente Partner zur Seite geben. Nur so kann sowohl die demografische wie auch die volkswirtschaftliche Entwicklung gesund gehalten werden.

Wer sich immer dem Gleichstellungsartikel in der Schweizer Bundesverfassung verpflichtet fühlt, kann den Vaterschaftsurlaub nicht einfach als „Goodie“ für Väter sehen. Vielmehr ist er dann – im Einklang mit den Erkenntnissen der Wissenschaft und den Erfahrungen in zahlreichen anderen Ländern – als Schlüsselmassnahme für die Gleichstellung der Geschlechter zu betrachten – insbesondere auch als Schlüssel zur Nutzung des Fachkräftepotenzials von Frauen.

Dabei geht es nicht bloss um die Zahl der „Urlaubs-„Tage. Es geht um die Philosophie dahinte: Mit 10 Tagen Vaterschaftsurlaub bleibt die  alten Logik bestehen, wonach die Väter rund um die Geburt die Mutter „helfen“ müssen, bevor sich das (Erwerbs-)Leben dann wieder wie bisher weiterdreht.

Mit 20 Tagen Vaterschaftsurlaub wird hingegen ein klares Signal gesetzt: Väter heute wollen eben nicht nur Assistenten sein, sondern auch längerfristig einen engen Bezug zu ihren Kindern aufbauen.

Das wissen Sie selbst natürlich am besten? Oder haben Sie sich etwa noch gar nie danach erkundigt? Das wäre verständlich, ist Elternschaft aus Unternehmenssicht bis heute doch meist nur mit Blick auf die werdenden Mütter ein Thema.

Wir können aus der wissenschaftlichen Recherche einige Aussagen über die (werdenden) Väter in Ihrem Unternehmen beisteuern. Zuerst einmal die zentrale Feststellung: Mit grosser Wahrscheinlichkeit sehen sich die Väter unter ihren Mitarbeitern als so genannt „involvierte Väter“. Zitat aus dem MenCare-Report Vol. II des Schweizerischen Instituts für Männer- und Geschlechterfragen: „Für das heutige Leitbild vom Vatersein ist wesentlich, dass die Figur des ‚abwesenden Ernährers’ abgelehnt wird. Das Ernährermodell findet nur noch in der heutigen Rentner-Generation sowie in tieferen Bildungsschichten eine Mehrheit. Wunsch ist der engagierte und in der Familie involvierte Vater.“

In der Realität lässt sich dieser Wunsch aber nicht so leicht leben. Die Herausforderungen im Beruf sind in punkto Flexibilität und Verfügbarkeit, Wandel und Komplexität in den letzten Jahren ebenso gewachsen wie die Erwartungen an die Beteiligung der Männer in Familie und Haushalt. Der Schweizer Durchschnitts-Vater heute versucht in dieser Situation, in beiden Bereich seine Performance zu bringen: als Berufsmann und als Vater. Ihr Mitarbeiter nimmt sich selbst in diese Verantwortung. Und dabei zählt Ihre Anerkennung und Unterstützung viel. Diese Mitarbeiter möchten von Ihren Arbeitgebern auch als Väter wahrgenommen werden. Sie möchten spüren, dass die Übernahme familiärer Verantwortung a) wahrgenommen, b) wertgeschätzt und c) nach Möglichkeit auch ganz konkret unterstützt wird – beispielsweise mit flexiblen Arbeitszeitmodellen oder Home Office-Lösungen. Diese Erwartungen haben die künftig auf den Arbeitsmarkt eintretende Generation noch stärker als die Generation vor ihnen.

Ein Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen als Entlastung für die Zeit unmittelbar nach der Geburt ist dabei ein wichtiger Mosaikstein. Eine gesetzliche Verankerung hätte für Sie den Vorteil der Versicherungslösung: Die „Prämie“ ist planbar und in der Höhe unabhängig davon, wie viele „Fälle“ konkret eintreten.

Wie der Mutterschaftsurlaub soll auch der Vaterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung (EO) finanziert werden und den Angestellten und selbständig Erwerbstätigen vorbehalten sein. Ebenfalls wie beim Mutterschaftsurlaub und wie bei Sozialversicherungen üblich soll eine Lohnersatzquote von 80 Prozent gelten, aber höchstens CHF 196 pro Tag. Die Finanzierung erfolgt paritätisch und solidarisch. Das heisst, dass je die Hälfte von den Arbeitnehmenden und von den Arbeitgebern über Lohnabzüge finanziert wird und dass die gesamte erwerbstätige Bevölkerung beiträgt, so wie dies heute z.B. auch bei der AHV der Fall ist.

Wenn alle Väter ihren Anspruch auf Vaterschaftsurlaub geltend machen würden, kostet er rund 420 Millionen Franken pro Jahr, wie die Berechnungen des Bundesrates zeigen. Das entspricht weniger als einem Prozent dessen, was wir heute für die AHV ausgeben. Oder anders ausgedrückt kostet der Vaterschaftsurlaub Arbeitnehmende und Arbeitgeber je rund 0.055 Lohnprozente. 20 Tage Vaterschaftsurlaub kosten auf dem Lohnzettel pro Monat somit nicht mehr als eine Tasse Kaffee. Weil die Entschädigungen für Militärdiensttage, die auch über die EO abgerechnet werden, ständig abnehmen, müssen die EO-Beitragssätze mittelfristig aber entweder gar nicht oder nur unwesentlich angepasst werden.

Väterliches Engagement ist der Schlüssel zu Berufskarriere der Mütter.

Eine schwedische Studie hat errechnet, dass die Mutter vier Jahre später 6.7% mehr verdient für jeden Monat, den ihr Mann Vaterschaftsurlaub bezogen hat (SOWF 2015, 21). Ob die genaue Prozentangabe stimmt: Darüber kann man streiten. Dass das väterliche Engagement der Schlüssel ist, um weibliche Fachkräfte für den Arbeitsmarkt zu gewinnen: Dieser Zusammenhang ist wasserdicht untersucht. Der Zusammenhang ist übrigens gegenseitig. Eine gross angelegte britische Studie hat festgestellt: Am wahrscheinlichsten ist eine aktive Betreuungsbeteiligung der Väter auch langfristig dann, wenn die Mutter schnell nach der Geburt wieder hochprozentig erwerbstätig war (Norman 2014, 117).

Wichtig in Zeiten des Fachkräftemangels: Was Väter weniger arbeiten können, wenn sie sich zuhause mehr engagieren, wird vom zusätzlichen Erwerbsengagement der Frauen deutlich überkompensiert. Unter dem Strich führt ein Vaterschaftsurlaub der Wirtschaft mehr Arbeitskräfte zu.

 Väter sind wichtig.

Früher ging man davon aus, dass (kleine) Kinder vor allem eins brauchen: ihre Mutter. Heute weiss man: Sie brauchen verlässliche Bezugspersonen – vor allem die Mutter und den Vater.

Beeindruckend sind die Untersuchungen, die Kinder mit präsentem Vater vergleichen mit Kindern, die ohne alltagsnahe väterliche Präsenz aufwachsen. Sie zeigen klar: Kinder mit involvierten Vätern sind gesünder, robuster, fleissiger, hartnäckiger, zufriedener, ruhiger. Kurz: Sie bringen es weiter im Leben.

Das ist ja gut und recht, nützt mir als Unternehmer aber nichts, sagen Sie? Nun ja, genau diese Kinder sind die Fachkräfte und Steuerzahler von morgen. Können die Performer von morgen in ihrem Aufwachsen heute aus dem Vollen schöpfen, geht es uns allen besser.

Väter sind ein Wohlstandsfaktor.

Ein Blick in die internationalen demografischen Entwicklungen ist wie ein Spiegel der nationalen Familienpolitiken: Wo der Staat Eltern vor allem in der intensiven Kleinkind-Phase mit Zeit, Geld und Infrastruktur unterstützt, da wächst die Geburtsfreudigkeit. Ein Vaterschaftsurlaub ist in diesem Sinn auch ein Beitrag zum Erhalt der Schweizer Bevölkerung und zur Sicherung der Sozialwerke.

Vaterschaft ist eine harte Schule mit hoher Bildungsrendite.  

Der Einsatz als Vater hinterlässt Spuren. Väter sind sozusagen gezwungen, ihr Kompetenzportfolio in Rekordzeit zu ergänzen. Untersuchungen, welche die Wirkung väterlichen Engagements auf die Väter selbst untersuchen, legen den Schluss nahe: Ihre Mitarbeiter lernen als Väter, was Ihr Unternehmen weiter bringt. Konkret: Engagierte Väter sind (im Vergleich zu Männern ohne Kinder und zu Vätern ohne Betreuungsverantwortung) sozial kompetenter und einfühlsamer, zufriedener und weniger schnell gestresst, achtsamer und teamfähiger. Sie haben auch ein höheres Selbstvertrauen und weniger Suchtprobleme. All das sind Qualitäten, die auf dem Arbeitsmarkt von heute gefragt sind – und Eigenschaften, die auch von Ihren Kunden heute erwartet werden.

Gut belegt sind die betriebswirtschaftlichen Effekte einer vereinbarkeitsfreundlichen Personalpolitik generell: Ihre Mitarbeitenden honorieren mit Leistung und Treue, wenn sie sich auch mit ihren familiären Pflichten vom Arbeitgeber ernst genommen fühlen:

– höheres Commitment – weniger Fluktuation
– höhere Konstanz – weniger Absentismus
– höhere Produktivität – weniger Leerzeiten
– breitere Kompetenzen – weniger Einseitigkeit

Gerade weil Väter in Unternehmen oft noch so wahrgenommen werden als hätten sie keine elterliche Aufgabe, schätzen Ihre männlichen Mitarbeitenden mit Väterpflichten ganz besonders, wenn sie kein Geheimnis um ihr Vatersein machen müssen. Das zahlt sich aus.

Heute leisten sich vor allem jene Unternehmen einen Vaterschaftsurlaub, die im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte und Talente bestehen müssen. Sie sehen sich den Erwartungen potenzieller Mitarbeiter gegenüber, einen vergleichbaren Standard an familienfreundlichen Rahmenbedingungen zu bieten wie Unternehmen in anderen Ländern (vgl. Punkt 2: Das Fehlen eines Vaterschaftsurlaubs ist international die absolute Ausnahme).

Für KMU bedeutet dies jedoch: Entweder ziehen sie mit und bieten auf eigene Rechnung einen Vaterschaftsurlaub an – oder sie ziehen in Sachen Arbeitgeber-Attraktivität den Kürzeren. In dieser Situation stellt sich die Frage, ob die dritte Lösung unter dem Strich nicht doch die Beste ist: Ein gesetzlich verankerter Vaterschaftsurlaub gemäss dem Modell der Volksinitiative führt zu einer Versicherungslösung, bei der alle eine gleich hohe und gleich bleibende „Prämie“ (Lohnpromille) bezahlen – und dafür kein Risiko mehr tragen müssen. Der Vorschlag der Initianten bedeutet für KMU’s also:

  • gleich lange Spiesse im Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte
  • kein Risiko
  • geringe Prämie (verteilt auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer)

Kein schlechter Deal, oder?

Umfrage-Ergebnisse sind mit Vorsicht zu geniessen. Gleichwohl muss zu denken geben, welch grosse Sympathien ein Vaterschaftsurlaub in der Bevölkerung geniesst. Der MenCare-Report Vol. II fasst die zentralen Ergebnisse[1] wie folgt zusammen:

– 9 von 10 Menschen in der Schweiz befürworten einen bezahlten Elternurlaub.
– 8 von 10 fordern eine Beteiligung der Väter am Elternurlaub.
– 6 von 10 sehen Wirtschaft und Staat in einer solidarischen Verantwortung, den Elternurlaub zu finanzieren.

Dabei gibt es Nuancen, aber keine groben Unterschiede:

– Zwischen den Generationen: In der Gruppe der unter 45-Jährigen unterstützen über 90% einen bezahlten Elternurlaub, aber selbst unter den Pensionierten gibt es eine ganz deutliche Mehrheit (78.4% bei den Männern und 85.7% bei den Frauen).

– Zwischen den Sprachregionen: Die Zustimmung in der Deutschschweiz beträgt 85.9%, in der Westschweiz 89.3% und im Tessin 94.1%.

– Zwischen Stadt und Land: Bei den Männern gibt es überhaupt keinen Unterschied, bei den Frauen eine etwas geringere Zustimmung auf dem Land (82.7%) als in der Stadt (91.3%).

– Zwischen den Geschlechtern (auch wenn Frauen leicht höhere Zustimmungsraten aufweisen).

Die Schweizer Bevölkerung denkt demgegenüber in Monaten, nicht in Tagen oder Wochen: 9 Monate wünschen die jüngeren Befragten, 6.5 Monate die älteren. Daneben mutet die Forderung der Initianten nach 20 Tagen Vaterschaftsurlaub geradezu bescheiden an…

 

[1] Quelle: MOSAiCH. (Die MOSAiCH-Umfrage existiert seit dem Jahr 2005 und hat zum Ziel, die Haltungen und Überzeugungen der Schweizer Wohnbevölkerung zu politischen, wirtschaftlichen und sozialen Themen zu erfassen und zu dokumentieren. Die Erhebung wird alle zwei Jahre durchgeführt und besteht aus einer für die Schweiz repräsentativen Stichprobe aus mindestens 1000 Personen ab 18 Jahren. Weiterführende Informationen unter: http://forscenter.ch/de/our-surveys/international-surveys/mosaich-issp-2/.)

Damit ein Vaterschaftsurlaub in Anspruch genommen wird, der Mütter effektiv entlastet und ihre Erwerbskontinuität nachhaltig stärkt (Fachkräftemangel) muss ein Vaterschafsurlaub folgende Kriterien erfüllen (vgl. u.a. Valarino 2013):

– Es muss sich um ein individuelles, unübertragbares Recht für alle Väter handeln;

– Es braucht Zeit, die ausschliesslich für den Vater reserviert ist und nicht übertragen wer- den kann;

– Es braucht eine möglichst hohe Entschädigung;

– Es braucht Flexibilität bezüglich des Zeitpunkts und der Aufteilung des Urlaubs.

Insofern ist das durch die Volksinitiative vorgeschlagene Modell zielgerichtet: Der Vaterschaftsurlaub ist nur für Väter, zu 80% entschädigt und flexibel in der Aufteilung (innert eines Jahres nach Geburt).

Damit die Abwesenheit betrieblich möglichst reibungslos organisiert werden kann, braucht es…

– eine gute Absprache / Verständigung zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber;

– eine Planung mit Vorlaufzeit;

– die Möglichkeit, den Bezug auch an den Erfordernissen des Arbeitgebers auszurichten.

Die Initianten legen einen Vorschlag vor, der diese Kriterien erfüllt. Eine Absprache mit dem Arbeitgeber wird vorausgesetzt. Der tage- oder wochenweise Bezug wird ausdrücklich ermöglicht. Konkret heisst dies beispielsweise: Ein Vater fehlt die ganze Woche nach der Geburt und nimmt während 15 Wochen je einen Tag frei. In dieser Perspektive werden die Aussagen jener Unternehmen gut nachvollziehbar, die bereits einen Vaterschaftsurlaub kennen: Ja, eine Vaterschaftsurlaub-bedingte Abwesenheit ist eine Herausforderung für den Betrieb. Aber nein: Die Herausforderung ist nicht grösser als bei einem WK, einer Weiterbildung, einem krankheitsbedingten Ausfall oder einem Sabbatical.

Verfügbare und günstige familienexterne Kinderbetreuung und ein Vaterschaftsurlaub sind die Schlüsselmassnahmen, um Frauen in den Arbeitsmarkt zu bringen. Insofern hat der Vaterschaftsurlaub eine ganz prominente gleichstellungspolitische Rolle. In einer breiteren Betrachtung ist er aber nur ein Mosaikstein.

Denn volkswirtschaftlich geht es nicht nur um das Fachkräftepotenzial der Frauen. Es geht darum, alle Arbeitskräfte so einsatzfähig zu machen und zu halten, dass alle ihre Talente bestmöglich für Wirtschaft und Wohlstand einbringen können. In der Fachwelt hat sich dafür in den letzten Jahren vermehrt die Erkenntnis durchgesetzt: Wir müssen ganz früh ansetzen, um Chancengleichheit zu ermöglichen. Denn schon im zarten Alter von 3 Jahren kann ein Kleinkind aufgrund ungünstiger familiärer Bedingungen den Anschluss fürs Leben verpasst haben. Es ist in diesem Zusammenhang die Rede von einer „umfassenden Politik der frühen Kindheit“, wie sie beispielsweise von der breit abgestützten Allianz Ready! verlangt wird (vgl. https://www.ready.swiss).

Haben wir Ihre zentralen Fragen beantwortet? Nein? Dann lassen Sie uns wissen, mit welcher Frage wir die Reihe von Fragen & Antworten ergänzen sollten.

by rettenmund