Welche Erfahrungen machen Unternehmen mit einem ausgedehnten Vaterschaftsurlaub?

Unternehmen mit 24 bis 6’000 Mitarbeitenden aus verschiedenen Branchen geben Einblick in ihre bereits gemachten Erfahrungen mit dem Vaterschaftsurlaub.

Ist der Vaterschaftsurlaub nur ein wohlfahrtsstaatlicher Luxus – oder vielleicht doch eine sinnvolle Investition in die Zukunft?

Auch wenn die familienpolitische Allianz hinter der Volksinitiative für einen Vaterschaftsurlaub viele soziale und gleichstellungspolitische Argumente bemüht, lohnt sich für uns vor allem auch ein Blick auf die wirtschaftlichen Folgen.

Um die Antwort auf diese Frage nicht nur auf wissenschaftliche Literatur abzustützen, haben wir 14 Unternehmen mit 24 bis 6’000 Mitarbeitenden in der Schweiz ausgewählt, die freiwillig 5 bis 30 Arbeitstage Vaterschaftsurlaub gewähren. Diesen 14 Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen und Regionen haben wir die gleichen 19 Fragen gestellt. Alle 14 angefragten Unternehmen haben teilgenommen (Rücklaufquote 100%). Wir danken an dieser Stelle

– der Neuenburger Kantonalbank,

– dem Seehotel Hallwil,

– IKEA Schweiz,

– dem Impact Hub Zürich,

– dem Pflegeheim Solina (Berner Oberland),

– der Liip AG (Informatik),

– Philipp Morris Schweiz,

– dem Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique CSEM,

– der CSS Krankenversicherung,

– der Wenger Hess & Partner GmbH (Bau),

– der LerNetz AG (Didaktik),

– der Ginsana AG (Pharma),

– Régie du Rhône (Immobilien),

– Johnson und Johnson (Pharma)

für Ihre Beteiligung.

Wichtigste Resultate

Hier die Zusammenfassung der Antworten der befragten 14 Unternehmen.

21% der befragten Unternehmen verlangen, dass der Vaterschaftsurlaub direkt nach der Geburt in einem Stück bezogen wird. 79% der befragten Unternehmen bieten flexible Lösungen an, bei denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer den tage- oder wochenweisen Bezug gemeinsam vereinbaren. Aber auch bei der flexibleren Umsetzung gibt es ein „Verfallsdatum“. Spätestens 12 Monate nach der Geburt des Kindes verfällt der Anspruch auf nicht bezogene Frei-Tage. Alle befragten Unternehmen offerieren neben dem bezahlten Vaterschaftsurlaub die Möglichkeit eines weiter gehenden unbezahlten Urlaubs.

Folgende Gründe für die Einführung eines Vaterschaftsurlaub werden mehrfach genannt: Attraktivität als Arbeitgeber / Vorteile auf dem Personalmarkt; Commitment der Mitarbeitenden / Vermeidung von Personalverlusten; Vaterschaftsurlaub als Instrument der Frauenförderung (Fachkräftepotenzial ausschöpfen); Familien-/Vereinbarkeitsfreundlichkeit; Imagepflege; Gesundheitsförderung/-erhaltung der Mitarbeitenden; Förderung der familiären Sicherheit / den Vätern Zeit mit der Familie geben; Schritt halten mit der gesellschaftlichen Entwicklung.

71% der befragten Unternehmen haben den Vaterschaftsurlaub ohne Bedenken angeboten. 21% haben sich bezüglich der finanziellen Auswirkungen Sorgen gemacht. Diese haben sich bei keinem Unternehmen bestätigt.

43% der befragten Unternehmen konnten die Vaterschaftsurlaube in Absprache mit den betroffenen Mitarbeitenden so legen, dass der Bezug zu keinen Engpässen führte. „Wir wussten es ja 9 Monate im Voraus“, merkt eines der befragten Unternehmen augenzwinkernd an. 57% der befragten Unternehmen erlebten phasenweise „Not am Mann“. Allerdings hat keines dieser Unternehmen den personellen Engpass als grösseres Problem erfahren wie es sich auch bei der Organisation von Ferien, Krankheitsbedingten Ausfällen, Militärpflichten etc. zeigt.

86% der befragten Unternehmen äussern sich ausdrücklich positiv zu den gemachten Erfahrungen, 14% können mangels Erfahrungswerten noch keine Einschätzung vornehmen. Alle befragten Unternehmen sagen: Wir denken, dass uns der Vaterschaftsurlaub bei der Mitarbeiterakquisition

Vorteile bringt? 57% der befragten Unternehmen bejahen ausdrücklich auch einen messbaren Return-on- investment; 43% erachten den Effekt als positiv, aber nicht bezifferbar.

86% der befragten Unternehmen sind überzeugt, dass der Vaterschaftsurlaub dazu beiträgt, die Mitarbeitermotivation und –bindung zu erhöhen. 14% äussern zu dieser Frage vorsichtige Zustimmung.

Obwohl damit der Wettbewerbsvorteil des einzelnen Arbeitgebers mit besonders attraktivem Vaterschaftsurlaub verloren ginge, bejahen 71% der befragten Unternehmen diese Frage. 7% sagen Nein, 22% machen ihre Zustimmung von der konkreten Ausgestaltung des Vaterschaftsurlaubs abhängig.

Alle Antworten im Überblick

Was sagten die befragten Unternehmen im Detail zu Ihren Erfahrungen mit dem Vaterschaftsurlaub? Die Übersicht zum Herunterladen.

by rettenmund